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Klingeltöne
aus dem All - oder - ich chatte nur noch mit mir selbst
Zitronen sind einfach nur sauer. Ich liebe den Geschmack der Sonne, den
Duft des Mondes, weiß wie Schnee, wenn hoch die
Himmel hängen. Hauptsache die Chemie stimmt.
Drei Tropfen Rosenöl, eine Handvoll Flammen, umzedert von
Engeln, die ihre Schäfchen wiegen - die Liebe
kommt und geht - trotz aller Theorien, dass m= Masse und E=
Energie, hat niemand die Geschwindigkeit der
Gedanken bedacht. Verschlüsselte
Botschaften, Klingeltöne aus dem All.
Früher
verkündeten die Propheten, Eva sei
Schuld am Elend auf Erden - und die listige Schlange. Warum
also sollte ich die Lyra schwingen? Der Olymp ist weit. Vor fremden
Türen zu kehren, ändert nichts am eigenen
Unglück.
Du hebst den Kopf und plötzlich steht im Raume die Behauptung,
dass wir Zwei uns pausenlos streiten. Wir merkten es nur nicht. Als
wären alle Zeichen Wunden, treffen
sich unsere imaginären Zellen im Nirgendwo, um hundert Jahre
zeitversetzt. Aber was ist schon Zeit? Vergissmeinnicht
im Fadenkreuz des Monitors, strahlungsarme Blaunacht, Blaubeuren, der
Blautopf, Blaudotterpalmen
und ein Cembalo. Musik macht auf Dauer taub - doch eine Suite
im Gedächtnisnetz hält
Hände mollig warm. Und nach der Kammeroper noch ein Kuss von
dir. Die Bilder nerven. Herbstklopfen, Impuls zu heiteren
Gefühlen und obendrein die bange Frage, leben wir noch auf der
begrenzten Erde oder schon im endlosen Himmel,
in den sich jeder irgendwannn wünscht. Welch ein Irrsinnn:
Gefühle vor Ketten.
Fantasie säumt das Jenseits.
Gerade mal fünf Minuten, und du ziehst das Näschen
kraus, waberst davon mit der nächsten Welle, um Haaresbreite.
Ein Stein gleicht dem andern. Wind, Sand und Sterne.
Keine Sprache sagt mehr als Worte. Mitten im Peenestrom, die
Ziegeninsel. Heinrich, der Ziegenhirt, duldet
keinen Nebenbuhler auf seinem Eiland.
Das Lachen im Hals schmerzt. Mit allen Sinnen in
Lavendeldüften baden und bitter enden. Das enge Tal ist
letztendlich auch nur eine Insel.
Der Vorhang fällt, direkt mir vor die Füße.
Kein Engelshaar, kein Prunkgewand - nur ungeschminkte Selbstbeschau.
Die Haikulücken wollen gefüllt sein -
mit Schmerzgedanken. Des Adlers Spiel - einfach schweben in den
Lüften, als Fata Morgana, da zwei sich nur von
Ferne liebten und auseinander lebten, geflochten aufs
Glücksrad. Das Publikum bleibt unsichtbar.
Sieh nur, wie sie purzeln. Aus luftiger Höhe,
fächerförmige Blätter. Keiner gibt den
Anstoß für Seelenabgründe. Der
Weg bleibt gesperrt, alle Reflexe
verhängt. Kein Lichtstrahl trifft unser
Scherbenversteck. Um einen Menschen zu berühren,
brauch ich
seine Nervenbahnnen nicht zu kennen - und als jemand dem Mond simste,
er sei nur ein Spiegelbild der Seele,
spielte er Blackout, trudelte umher und erkannte sich selbst nicht
mehr. Wenn du erstmal tot bist, wirst du
nicht mehr viele Freunde im Leben haben. Raubt der Prolog die
Kräfte, bleibt der Roman
unverfasst. Du bist Gedicht, tief und dunkel, und endest im
schallenden Gelächter - welch ein Monolog!
Und während ich das Passwort zu deinem Herzen suche, hast du
dich ohne Passwort aus dem Staub gemacht. Kopf auf die
Rückentaste, der Achseln ledig, kreuzt du den
Höllenwirbel, fliegst und genießt den Tunnelblick.
Ich weiß um das Spiel und die Sehnsucht, die es spiegelt. Wie
oft hab ich bei deinem Anblick ausgerufen:
Ach, geh nicht fort, bleib hier bei mir! Bis du mich höchst
vertraulich observiertest und aus dem Off belehrend fauchtest: Wovon
redest du? Bisher bin ich doch jedesmal zurück
geholt. Nur du, mein Freund, du ließest auf sich warten!
Wieder dieses Ansinnen, auf der Suche nach der längst
verschmähten Liebe. Da fällt das Luftsein schwer.
Beide Hände nach innen gewandt, die Augen nach außen
gespiegelt - dein Mund formt tausend leere Silben. In deiner toten
Weise atmest du dich ein und aus, leblos in deines
Körpers Melodie. Dein sanfter Schritt erfasst die
Backsteinstufen, dein Lächeln wiegt in Sicherheit -
immer der gleiche Fluch - wie unter Zwang wirfst du mich ab,
zurück ins Meer. Denn von uns beiden sollte einer
überleben.
Schatten haben weder Innen noch Außen. Wie aufregend, die
Dünnhäutigkeit zu pflegen. Lieber in Tränen
ertrinken, als im Trübsinn zu baden. Ein Gleich, das nie zu
lösen ist, sollten wir vergessen, ehe es zum Ungleich
verkommt. Wasser aufs Haupt, Asche ins Feuer, einen
großen Topf voll Selbstmitleid auf den Herd, Wunden
schürfen. Die Liebe kommt von selbst,
sie geht von selbst - ein Scheinbar ohne Ende.
Das Gesetz von Ursache und Wirkung wohnt nicht in meinem Kopf.
Karin Rohner 2009
(wieder einer von diesen vermeintlich schlechten Texten)
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