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"Des Daseins eigentlichen Anfang macht die Schrift"
Mein erster Schritt in Richtung
Kalligraphie
Kalligraphie
und Normschrift
Ich habe schon als Kind gern schön geschrieben. In den Pausen
hockte ich meistens auf dem Schulhof und malte mit einem
Stöckchen Buchstaben in den Sand.
Immer wenn es etwas zu beschriften gab - eine Postkarte meiner Mutter
an ihre Freundin in Stuttgart, oder den Brief an Onkel Kurt in Chikago
- hieß es: "Schreib du doch mal die Adresse! Du kannst das
viel besser. Und der Onkel Kurt freut sich immer so."
Als ich meine Lehre als Technische Zeichnerin begann, musste ich
während der ersten Wochen nur Normschrift üben. Mit
Schablone schreiben, das gab es damals noch nicht. Ich hatte das
Glück, einen Graphos zu besitzen, bei dem man die einzelnen
Federn in ihren verschiedenen Strichstärken zum Linienziehen
auswechseln konnte. Aber die ersten Übungen in Normschrift
machte ich noch mit der Redisfeder.
Auf Grund meiner guten Schrift kriegte ich oft Extraarbeit
aufgebürdet, bei der es besonders auf das Schriftbild
ankam, was mir das Schreiben mit der Zeit etwas verleidete.
Als Technische Zeichner und Zeichnerinnen noch mit der Hand schrieben,
konnte man an Hand der Beschriftung gleich erkenen, von wem die
Zeichnung stammte. Trotz Normschrift - die Handschrift eines Menschen
bleibt etwas sehr Persönliches.
"Back to the Roots"
Im Lauf der Jahre habe ich alles
ausprobiert, was es an Maltechniken
und Malmitteln gibt.
Ich versuchte mich in Aquarellmalerei, zeichnete mit Pastellkreiden und
Buntstiften. Jahrelang bevorzugte ich Gouachefarben, weil sie besser
decken als Wasserfarben. Auch das Malen mit Acrylfarben habe ich
probiert. Nur die Ölfarben ließ ich links liegen,
wegen ihres Geruchs.
Heute habe ich das Gefühl, lange genug in Farben geschwelgt zu
haben. Wenn ich mich jetzt
intensiver mit Kalligraphie beschäftigen möchte, so
nenne ich das "Back to the Roots".
Jedes Jahr nahm ich mir vor, einen Kalligraphiekurs zu besuchen. Doch
leider werden immer Wochenendkurse angeboten, und ich weiß,
dass ich es meiner rechten Maushand nicht zumuten kann, in zwei Tagen
zehn Stunden lang zu schreiben.
Weil ich es gewohnt bin, mir Sachen, die mich interessieren, selbst
beizubringen, habe ich mir zwei Kalligrafiebücher gekauft, in
denen nicht nur Schrift gelehrt wird. Ich möchte keine
schön geschriebenen Dokumente verfassen, sondern die
verschiedenen Schriftarten in meine Malereien integrieren. Und
dafür finde ich in diesen Büchern
wunderschöne Beispiele an Hand der Malereien von alten und
zeitgenössischen Meistern...
Karin Rohner 2009
Zeichnung vom Dezember 2002, die
ich zu meinem Haiku des Monats Dezember anfertigte.
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