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"Das
richtige und das falsche Bild"
Immer
wieder lese ich in Malforen von misslungenen Bildern, Bildern,
die nicht so schön wurden, wie es sich der Künstler
vorstellte. Bilder, die so werden sollten, wie sie bei andern zu sehen
sind. Und wenn sie nicht so werden, liegt es am fehlenden eigenen
Talent, am Material oder man hat eine Krise oder eine Blockade.
Als ich vor vielen Jahren zu schreiben und zu malen begann, meinte ich,
nun hast du etwas, was du unendlich und bis ins hohe Alter weiter
machen kannst.
Wenn ich ein paar Wochen nichts zu Papier brachte, dachte ich, jetzt
ist der schöne Traum aus und war von mir selbst
enttäuscht.
Inzwischen habe ich es aufgegeben, spezielle Erwartungen an mich zu
stellen.
Wenn ich anfange zu malen, habe ich selten ein bestimmtes Bild in
meinem Kopf, das es nun umzusetzen gilt. Ich habe ganz einfach Lust,
mit Farben zu klecksen.
Es kann aber vorkommen, dass ich mir durch eine Anregung im Netz oder
der Natur ein Bild mache, das ich jetzt malen möchte. Es
existiert
in meinem Kopf. Aber mit dem Kopf male ich ja nicht.
Malen ist für mich Vergnügen, Intuition, Phantasie,
Entspannung und hat nichts mit Schönheit zu tun. Schon der
Malvorgang ist für mich eine einzige Freude. Am Schluss kommt
dann
ganz was anderes heraus, als was ich mir im Kopf vorstellte.
Das hat nichts mit Talent, Wissen oder Handwerk zu tun. Es war einfach
der falsche Tag - oder das "falsche Bild", das ich vorher im Kopf
hatte.
Was da auf der Leinwand oder dem Papier zu sehen ist, ist für
mich
das "richtige Bild", da es in seiner Unvollkommenheit genau meiner
heutigen Gemütslage entspricht. Es ist mein eigenes
inneres
Bild, das ich nicht mit dem Kopf abrufen kann, da es in meinem
Unterbewusstsein entsteht.
Ich habe mir angewöhnt, im Internet nicht zu viele Bilder
anzugucken und auch noch zu besprechen. Das ist
Reizüberflutung,
die mich daran hindert, selbst kreativ zu werden.
Am liebsten verlasse ich mich auf die eigenen inneren Bilder. Und diese
vergleiche ich nicht mit Bildern anderer Künstler. Damit hege
ich
für mich die Gewissheit, immer das "richtige Bild" gemalt zu
haben.
© Karin Rohner 2010
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