Malprojekt-Special August 2009
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Musik
bildnerisch darstellen - "Arrival" von Mike
Oldfield
Arrival
- oder wie ich und mein Vater Columbus Amerika nicht entdeckten
"Hasta la vista!" reif mein Vater Columbus
"Nach 80 Tagen und 40 000 Meilen über dem Meer
müssten wir
längst in Amerika sein. Das kann nicht mit rechten Dingen
zugehen!"
"Da hast du Recht, Vaddern!" sagte ich. "Guck mal aufs Navi!
Wir können noch gar nicht da sein, weil wir die ganze Zeit
rückwärts rudern!"
"Schweig still, mein Sohn! Was verstehst du schon von der christlichen
Seefahrt!" brummelte er und nahm einen tüchtigen Schluck
aus der Flasche mit dem Jamaikarum.
"Setz sofort die Pulle ab!" schrie ich. "Das ist wider alle Regeln.
Jamaika wollen wir doch erst entdecken!"
"Junge, Junge," schwärmte mein Vater. "In Gedanken
bin ich
schon bei unserer Ankunft in der Schweinebucht. Alle
Boote bis über die Toppen geflaggt - die Sirenen
heulen - und
die Indios werfen vor Freude ihre Trommeln ins
Wasser, ihre
Ding-Dongs gleich hinterher - und oben drüber
schwebt der
große Manitu in seinem fünfrädrigen
Karren."
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"Ich glaube, du träumst, Vaddern. Leg dich hin und schlaf
deinen Rausch
aus. Ich halte inzwischen die Ruderwache."
Als erstes gab ich dem ersten Ing. den Befehl, alle Kessel auf
Hochglanz zu
polieren und der Turbine mal richtig Dampf unterm Hintern zu machen.
Doch leider griff er, statt zum Schraubenschlüssel,
zum
Notenschlüssel. Und als das nicht sofort funktionierte, nahm
er
noch einen und noch einen und noch einen... Und die
Notenschlüssel
tanzten völlig entfesselt - im Angesicht der
glupschäugigen
Seeungehuer - einen feucht-fröhlichen Hipp-Hopp auf dem
Oberdeck.
Das nahm die Maschine übel, sie stampfte und
dröhnte immer die selben Takte - dadadam
dam dadadadadam
dadadamdamdamdamdam - und alles ohne Anfang und Ende.
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Irgendwann wurde es unserer alten Pappschachtel zu bunt. Sie spie und
fauchte und ratterte - und zum Schluss spuckte sie in einem riesigen
Schwall all die nervigen Schlüssel, mit und ohne
Noten, samt ihren glupschäugigen Ungeheuern
über Bord.
Diese freuten sich tierisch
über die so unverhofft erlangte Freiheit und
überließen sich tänzelnd den
Wellen des Meeres. Sowas
nennt
man in der Seemannssprache Notwassern.
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Und wenn du mal durchs Bermudadreick schippern solltest, wundere dich
nicht
über all die falschen Noten, die
auf der blauen See unverschlüsselt vor sich
hin yankee-doodeln, um von den Heldentaten meines Vaters Columbus
zu erzählen.
Nur über den Verbleib unseres Schiffes werden sie dir nichts
verraten. Mal ganz unter uns: Es verschwand spurlos
im
Bermudadreieck, um in
Bayreuth als Fliegender Holländer wieder aufzutauchen - und
dort
feiern sie alle vier Jahre sein Arrival - oder war's Survival?...
©
2009 by Karin Rohner
(aus
der Rubrik Seemannsgarn)
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